Karpaltunnelsyndrom

Handchirurgie

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Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufig vorkommende Erkrankung, bei der es durch Einengung des Mittelnerven zu Empfindungsstörungen an der Hand kommt. An jedem Arm verlaufen drei Hauptnerven (N. medianus, N. ulnaris und N. radialis), die Empfindungen und Impulse für die Muskelbewegung leiten. Kommt es zu Einengungen dieser Hauptnerven, dann treten mehr oder weniger unangenehme Reizzustände auf. Diese Beschwerden können ausstrahlende Schmerzen oder Gefühlsstörungen bis hin zu Muskellähmungen sein.

Der Karpaltunnel beginnt am Übergang vom Handgelenk zur Handwurzel. Im Bereich der Handwurzel bilden die acht Handwurzelknochen in Form eines flachen Bogens den Boden und die Seiten des Kanals. Das kräftige, querverlaufende Handwurzelband (Retinaculum flexorum) bedeckt den Kanal. Im Karpalkanal verlaufen neun Beugesehnen für Langfinger und Daumen und der Mittelnerv (Nervus medianus).

Der Mittelnerv ist etwa bleistiftstark und besteht aus tausenden von Nervenfasern, die das Gefühl für die Beugeseiten und einen Teil der Streckseiten von Daumen, Zeige-, Mittel- und der Hälfte des Ringfingers vermitteln. Dazu führt der Mittelnerv einen motorischen Anteil (Thenarast), der einen wichtigen Teil der Daumenmuskulatur versorgt.

Der Mittelnerv liegt zwischen dem queren Handwurzelband und den Beugesehnen, beim Strecken und Beugen des Handgelenkes und/oder der Finger kann er hier eingeengt werden.

Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es durch Schwellungszustände des Sehnengleitgewebes zu einem Druck auf den Mittelnerv (N. medianus) im Handgelenksbereich. Dies kann auch eine Folge von hormonellen Veränderungen, Diabetes, Entzündungen, Tumoren oder auch Arthrose sein.

Typischerweise berichten betroffene Patienten über nächtliches Kribbeln und Taubheitsgefühl eines oder mehrerer Finger. Später können bereits normale tägliche Aktivitäten diese Beschwerden hervorrufen und es kann zu Muskelschwund im Daumenballen kommen.

Der Facharzt mit einer Spezialausbildung für Handchirurgie wird Sie dazu befragen und eine klinisch-handchirurgische Untersuchung durchführen, die ihm zeigt, ob bei Ihnen ein Karpaltunnelsyndrom oder eine andere Störung vorliegt. Die Untersuchung durch einen Neurologen gehört ebenfalls zu der kompletten Diagnostik. Bei diesen Tests werden die leitenden Nerven getestet. In Einzelfällen werden auch Röntgen- oder Kernspinuntersuchungen notwendig. Wichtig ist, das Karpaltunnelsyndrom von anderen Erkrankungen z.B. im Bereich der Ellenbeuge oder der Halswirbelsäule abzugrenzen.

Je nach Resultat dieser Untersuchungen werden vor einer Operation nicht-operative Maßnahmen verordnet. Antientzündliche Therapie, Schienenbehandlung oder Massagen können hierzu gehören. In manchen Fällen wird Ihnen der Facharzt aber auch zu einer sofortigen Operation raten.

Der Eingriff

Die Operation ist zwar ein kleiner Eingriff, der aber aufgrund der Nähe zu wichtigen Strukturen zur Funktion der Hand äußerster Sorgfalt bedarf. Der Sinn der Operation besteht in einer Durchtrennung des festen Dachs des Kanals (Retinaculum flexorum), in dem der Mittelnerv gemeinsam mit den Sehnen der Beugeseite der Hand verläuft. Dadurch wird der Kanal unter der Haut erweitert und die Einengung beseitigt. Meistens wird der Eingriff ambulant durchgeführt, in bestimmten Fällen ist allerdings ein stationärer Eingriff vorzuziehen. Dies wird im Vorgespräch ebenso wie die möglichen Komplikationen erläutert. Die versorgenden Nerven werden zuächst durch Betäubungsmittel gezielt ausgeschaltet, damit ist der Eingriff schmerzfrei. Durch eine Manschette am Oberarm wird ein blutleeres Operationsfeld geschaffen. In der Praxisklinik Kaiserplatz wird der Eingriff „offen“ nach der Technik der „kurzen Narbe“ durchgeführt. Diese Technik vereinigt den Vorteil der offenen Operation, den eingeengten Nerv bei der Operation sehen und damit schonen zu können mit dem Vorteil der endoskopischen Methode, eine geringe Narbe zurückzubehalten. Ein Operationsmikroskop bzw. eine Lupenbrille werden immer verwendet, um die Nerven und das Gewebe optimal zu schonen. In manchen Fällen ist der Nerv selbst durch festes Gewebe umgeben oder die Sehnen zeigen eine stärkere Entzündung. Dieses Gewebe muss dann mikrochirurgisch entfernt werden. Abschließend wird eine kleine Drainage für die Dauer von 24 Stunden eingelegt.

Nach dem Eingriff

Eine individuell angepasste Handgelenksstützschiene wird für 5-10 Tage angelegt. Sie sorgt dafür, dass der entlastete Mittelhandnerv sich wieder „einbettet“.

Nach dem Eingriff bleibt der Patient noch mindestens 2 Stunden in der Praxisklinik, bis das Gefühl in der Hand wieder vorhanden ist. Für den Fall später auftretender Schmerzen wird ein Schmerzmittel verordnet. Am nächsten Tag wird die Schiene gewechselt und die Drainage entfernt. Die Weiterbehandlung kann dann auch vom überweisenden Arzt durchgeführt werden. Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. Nach der Fadenentfernung kann der Patient mit der Narbenmassage beginnen. In einigen Fällen ist eine krankengymnastische Behandlung im Anschluss sinnvoll. Nach Entfernen der Schiene kann die Hand wieder leicht eingesetzt werden. Volle Belastung kann nach 3 Wochen erfolgen. Arbeitsunfähigkeit besteht je nach Befund und nach Arbeitsbelastung zwischen einer bis drei Wochen


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